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Fast einen Monat von Zuhause weg

29. Juli 2014 - 21:25 Uhr Cambridge - 11:25 Uhr Düsseldorf
Achtung: Roman!
Es ist schon eine Weile her seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Der Grund: Kein Internet. Da es wenn man weiter von der Stadt entfernt ist nur begrenztes Internet hat, hat man wenn man Pech hat irgendwann im Monat überhaupt keines mehr – und so war es bei uns über eine Woche lang. Am 13. (Sonntag) war ich mit Tess zusammen in Hamilton, während Raewyn einen weiteren Hund abgeholt hat. Wir haben dort in Iguana was gegessen – wo es als Vorspeise richtiges (!) Brot gab. Etwas was man wirklich vermisst wenn man sich hier längere Zeit aufhält. Im Supermarkt gibt es nur super weiches und helles, was überhaupt nicht schmeckt oder hundert verschiedene Sorten Toastbrot. Nach drei Monaten werde ich kein Toast mehr sehen können, aber ansonsten bliebe mir zum Frühstück nur noch Müsli, was nicht schmeckt. Nach dem Lunch sind wir an dem Fluss spazieren gegangen und auf dem Weg auf einen seltsamen Neuseeländer getroffen der uns ansprach mit „I'm gonna fly. I won't fight anymore, I had too much pain“ uns dann noch ein paar Meter begleitete und so etwas erzählte und dann mit seinem ersten Satz wieder verschwand – komische Menschen gibt es hier. Als Tess mich zur Bushaltestelle gefahren hat, kam mir die Fahrweise kurzzeitig sehr vertraut vor, etwas zu vertraut. Gut dass gerade kein anderes Auto kam und dass wir uns ganz schnell wieder auf die linke Straßenseite verzogen haben. Im Dunkeln ging es für mich dann im einsamen Bus weiter, in dem lediglich zwei weitere Mädchen saßen.
Die Woche bestand natürlich zum Großteil aus Arbeit. Zu meinen Aufgaben ist noch das tägliche Umweiden der Kühe hinzugekommen, was ziemlich anstrengend sein kann wenn man dafür mehrfach den Berg hoch und runter kraxeln darf... und ich kann mich partout nicht mit der Dornenhecke anfreunde, in der das Elektroband befestigt wird... und auch der Strom gefällt mir nicht ganz so – mein Rekord liegt bei acht Mal einen Schlag zu bekommen bei einmal Umweiden. Donnerstags (17.) sind Raewyn und Meg mit Buzz und Grem auf eine Jagd gefahren – theoretisch hätte ich demnach fast nichts zu tun gehabt, aber Allan hat dann doch noch Aufgaben gefunden: Das gesamte Sattelzeug putzen und die Weiden komplett abäppeln (Spaß ist echt was anderes).
Auf das Wochenende (19.+20.) habe ich mich sehr gefreut: Gemeinsam mit Tess und Anna ging es nach Rotorua, dort haben wir uns mit Katrin getroffen. Zusammen sind wir um den Blue Lake gelaufen, was eine Runde von 5 oder 6 km durch den Wald am See entlang ist. Der Silberfarn wächst hier wirklich überall – meterhohe Baumfarne bilden teilweise ganze Wälder, die nur aus dem Nationalsymbol Neuseelands bestehen, von Weitem sind sie kaum von Palmen zu unterscheiden.
In unserem Hostel haben Anna, Tess und ich dann Nudeln mit Champignons und Tomatensauce gekocht, wobei sich die beiden noch an den kostenlosen Erbsen mit Mais bedient haben. Katrin kam dann nachher dazu und wir haben den Abend mit 'ring of fire' begonnen – einem Trinkspiel. Die seltsamen Blicke von anderen Hausbewohner wenn wir um den Tisch gelaufen sind inklusive. Meine absolute Lieblingsregel war vor jeder Frage den Satz „Eure Majestät, darf ich etwas fragen?“ sagen. Mit ein wenig Alkohol im Blut ging es Richtung Lava Bar, wobei wir vorher noch einen Abstecher in den Park gemacht haben, um in der stockdüsteren Nacht die Hot Pools zu suchen. Wir haben dann tatsächlich einen gefunden und festgestellt dass die Einheimischen gerne nachts in die Pools gehen, denn als wir an einem vorbei gegangen sind haben wir mehrere Stimmen gehört. In der Lava Bar selber war erstmal gar nichts los, weshalb wir nach einer guten halben Stunde wieder gegangen sind – auf der Suche nach einer Bar wo mehr los ist, an einem Samstagabend. Eigentlich sollte das in einer Stadt nicht so schwer sein. Aber wir haben tatsächlich keine gefunden und auf den Straßen selber war auch keine Menschenseele. Außer eine Gruppe junger Leute, die versuchten uns zu überreden, mit denen zu kommen. Lauter Männerstimmen, weshalb wir erst einmal nicht darauf eingegangen ist. Bis eine höhere Stimme rief „Come on, I'm the only girl here – don't leave me alone!“. Und es war eine gute Entscheidung uns der Gruppe anzuschließen. Es waren zwei Männer aus Rotorua, die jeden Samstag eine solche Partynacht organisieren (ähnlich wie das Franzi Bar Crawl in Auckland, nur viel kleiner). Zu der Gruppe gehörten: drei wirklich typische amerikanische Studenten, ein Ire und (s)eine Freundin. Mit uns vier Deutschen waren es dann insgesamt neun Reisende und die zwei Organisatoren. Auf dem Weg zur Lava Bar haben wir uns von Katrin, Anna und zwei der Amerikanern verabschiedet. In der Bar war es auf einmal ziemlich voll und echt gut. Tess und ich waren dann noch bis halb zwei dort bevor wir zum Hostel zurück gekehrt sind.
Um morgens um sieben von einem zaghaften Klopfen (die ganze Etage ist vermutlich ebenfalls aus dem Bett gefallen) geweckt zu werden. Die Frage war nach dem Mädchen das mit uns im Zimmer geschlafen hatte, aber schon abgereist war. Etwas unausgeschlafen haben wir drei gefrühstückt, aus gecheckt und dann Katrin aufgesammelt, bevor wir zum Kerosene Creek gefahren sind. Circa 20 Minuten Autofahrt von Rotorua, der an einer Straße liegt, die es nicht verdient hat so genannt zu werden da sie mehr aus Schlaglöchern als aus irgendwas anderem besteht. Aber es ist ein heißer Fluss der ausnahmsweise nicht kommerziell genutzt wird sprich: Er ist vollkommen umsonst. Beim Einparken sehen wir an einem Baum jemanden sitzen, der uns ziemlich bekannt vorkam und mit einem Blick nach links stellten wir fest: Die Amerikaner sind ebenfalls hier! Sie hatten wahrscheinlich ebenfalls am Abend zuvor den Tipp von der Irin bekommen. Zuerst haben sie etwas irritiert geschaut als wir vier lachenderweise im Auto saßen, bis sie uns dann auch erkannt haben. Nach kurzem Smalltalk haben wir uns auf den Weg zum Wasserfall gemacht. Im Winter im angenehm warmen Wasser in einem Fluss zu baden, sich wenn man mag vom Wasserfall massieren lassen oder die Füße in den Sand einbuddeln, wo es stellenweise wirklich heiß wird, ist echt wunderschön. Und so haben wir dort 1,5 Stunden verbracht. Niemand wollte das Wasser verlassen (draußen war es jetzt nicht so warm), aber wir wollte noch zu einem Maori-Dorf, was wir uns vor dem Eingang anders überlegt haben, da der Eintritt 50$ gekostet hätte. Stattdessen haben wir in der Central Mall Lunch gegessen und uns als Nachtisch Frozen Joghurt geholt (super lecker!), den ich sogar zum halben Preis bekommen habe, weil ich das Gewicht meines Bechers richtig geschätzt habe.
Danach sind wir an die Waterfront des Lake Rotorua und ungefähr 300m spazieren gegangen. Als wir zum Auto zurückgekehrt sind fehlten die Schlüssel. Zwei Mal sind wir hin und zurück gelaufen, haben jeden Passanten und in jedem Bootshaus gefragt, da wir die Hoffnung hatten, das die jemand abgegeben hat – aber niemand hatte sie gesehen. Eine Gruppe Jungs bot sich an uns beim Suchen zu helfen und einer der Bootshausbesitzer hätte uns zurück nach Hamilton gefahren. Aber unsere Sachen waren auch noch im Kofferraum. Tess hat ihre Gastfamilie angerufen (die natürlich nicht sehr begeistert war) und die haben uns einen Bus nach 'Hause' rausgesucht, während ich bei der Polizei angerufen habe um dort nach einem abgegebenen Autoschlüssel zu fragen – erfolglos. Katrin hat dann ihren Gastvater angerufen, der letztlich für unsere Rettung gesorgt hat: Der Vater eines Freundes vom Sohn hat einen Schlüsseldienst und für uns das Auto aufgemacht. Und nicht nur das, er hat uns auch einen neuen Schlüssel für den halben Preis angefertigt. Drei Stunden nach der eigentlich geplanten Heimreise ging es dann tatsächlich Richtung Cambridge und um 21 Uhr waren wir auch endlich da. Tess ist von nun an „The girl with no keys“ und die Whatsappgruppe heißt nun auch 'Keywis'.
Die Woche nach unserem Ausflug war dafür umso anstrengender: Die meiste Zeit war ich alleine auf dem Hof, was für mich bedeutete: Pferde füttern und rausbringen, misten, Kühe umweiden (2 Herden), Schafe und Hühner füttern, reiten, Pferde reinholen und füttern, fegen, gegebenenfalls den Platz abziehen und die Hunde füttern. Ich war demnach glücklich wenn ich bereits nach 9 Stunden mit der Arbeit fertig war. Raewyn hat mir dafür den Samstag frei gegeben, sodass ich mit zu einer Jagd im Waikete Valley konnte. Wobei ich nicht so wirklich frei hatte: Zunächst einmal bin ich deutlich früher aufgestanden als ich es wenn ich arbeiten muss tue (viertel vor 5 war ich da auf den Beinen) und dann durfte ich wie üblich Pferde füttern, misten und rausbringen. Grant hat uns und Buzz dann mit seinem Lkw abgeholt und wir sind zu seiner 600 Morgen 'kleinen' Farm gefahren („Die Berge da drüben gehören alle uns“). Dort haben wir die restlichen Pferde verladen, unter anderem auch Chuck – ein riesengroßer brauner Wallach, der wohl perfekt für die erste Jagd sein sollte. Insgesamt waren wir dann fünf Leute: Raewyn, Fi, Grant, Meggie und ich. Fi stammt ürsprünglich aus England und hat auch eine Zeit lang für meine Gastfamilie gearbeitet. Jetzt ist sie mit einem von Grants Söhnen verlobt. Ehrlich gesagt hatte ich einen Reitstall als Ausgangspunkt erwartet, aber wir standen auf einer Wiese mit einem Holzhäuschen drauf. Nach einem Shot beim Lkw des Masters ging es auch schon los: Die Hounds waren fertig („never call them dogs!“). In Neuseeland wird nämlich noch richtiges Wild gejagt. Von Warmreiten hält hier allerdings kaum einer was: nach zwei Runden Schritt wurde über das erste Hindernis gesprungen und von da an begann die Jagd. Und was für eine. Ich bin Berge hoch und runter geritten, teilweise im Galopp, die ich niemals zu Fuß gegangen wäre, wobei sich Fi über meine Kommentare á la „f*cking sh*t“ während des runter reitens lustig gemacht hat. Zudem sind wir über Dornenhecken und Stacheldrahtzäune gesprungen – eben alles was im Weg war. Dabei wurden die bis dato friedlich grasenden Schafe auf der Weide aufgeschreckt und weggescheucht, geöffnete Tore mussten vom letzten geschlossen werden und wer zurückblieb hatte eben Pech gehabt. Wer stürzte wurde von einer Handvoll Reitern versorgt, während der Rest sich nicht aufhalten ließ bei der Jagd auf einen Hasen (die Jagdhunde haben keinen gefangen). Nach drei Stunden über Stock und Stein, die ich auch zum Großteil dank Chuck überlebt hatte – es gibt tatsächlich kein besseres Pferd für eine Jagd – wurden die Pferde versorgt und gemeinsam das 'breakfast' abgehalten – nachmittags um 5. Danach wurde sich verabschiedet, wobei wir noch mit ein paar Bekannten eine Zeit lang auf der Bracke saßen, was getrunken und uns unterhalten haben (Alkohol gehört zu jeder Jagd dazu – suchen die Hounds nach einer Fährte wird grundsätzlich getrunken). Hundemüde ging es dann abends nach Hause.
Den Sonntag hatte ich ebenfalls frei und habe ihn dazu genutzt nach Hobbiton zu fahren. Schlappe 75$ Eintritt kostet der Spaß, wofür man dann die Detailgenauigkeit von Peter Jackson bewundern darf. Es wurden Bereiche mit Hobbithöhlen errichtet, die im Film gar nicht zu sehen sind nur für den Fall dass die Kamera etwas zu weit herausschwenkt und diesen Bereich einfängt. Zudem mussten Angestellte wochenlang nasse Wäsche an die Wäscheleinen hängen, damit man dort Abdrücke hat. Die Höhlen bei diesem Filmset sind jedoch alle nicht begehbar – oder nur für 2 Meter, da dahinter lediglich Steine und Dreck sind, auch Beutelsend. Das einzig 'richtige' Gebäude ist das Gasthaus 'Zum grünen Dach', das von innen sehr realistisch gestaltet ist: Mit Holzverkleidungen, zwei Kaminen und Bars. Sehr urig und gemütlich, wozu man noch ein Freigetränk bekommt. Auf der Tour habe ich Frederick kennen gelernt und mich mit ihm nett unterhalten. Er stammt aus Hannover, zieht aber sobald er nach Hause kommt in die Schweiz, um dort zu arbeiten. Nächstes Wochenende ist eine weitere Jagd geplant und Raewyn hat für mich für den August eine Tour in den Schnee organisiert für zwei Tage, es kann also spannend werden.

unbearbeitet!:



29.7.14 11:27
 
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